Vom "Miteinander"

„Die Menschen reden viel zu sehr übereinander, statt miteinander.“
- Miteinander statt Nebeneinander -

Wie gewöhnlich steht für den Sommer der elften Klassen ein Sozialpraktikum an und auf Grund meiner Interessen für Flüchtlinge und für ihre aktuelle Situation in Deutschland ergab sich meine Suche nach einem diesbezüglichen Praktikumsplatz. Mit Hilfe der Flüchtlingsbeauftragten des Landkreises kam ich in Kontakt mit dem Verein „Asylbegleitung Mittelhessen e.V.“.
      Nach einem ersten persönlichen Kennenlernen wurde ich sogleich zu einem Vereinstreffen eingeladen. Dort wurde ich offen in ihren Kreis aufgenommen. Bis zur eigentlichen Praktikumszeit nahm ich noch an weiteren Vereinssitzungen teil, wodurch ich mehr über ihre Vereinsinhalte erfuhr. In diesem Vorfeld informierte ich mich weitergehend speziell über die Flüchtlingsproblematik in Deutschland.
Mit Spannung und Vorfreude erwartete ich mein Praktikum und nachdem ich den ersten Tag, an dem eine Theoriestunde über das Asylrecht angesetzt gewesen war, gemeistert hatte, blickte ich mit großen Erwartungen dem Kommenden Tag mit meiner ersten Begegnung mit den Flüchtlingen entgegen. An diesem Tag wurde jedoch die Anspannung und Freude von Hektik abgelöst, da ich durch ein Missverständnis den Bus am gemeinsamen Treffpunkt verpasste. Jedoch endete er mit der Begegnung einer sehr freundlichen und offenen Gruppe aus Männern, Frauen und Jugendlichen, die zusammen mit mir und meinen zwei Mentorinnen an dem Deutschunterricht teilnahmen und gemeinsam mit mir viel Spaß an dem miteinander Lernen hatten.

 Die zwei Wochen meines Praktikums vergingen wie im Flug, da sie gefüllt waren mit sehr interessanten Tagen, an denen ich an Theoriestunden, Vernetzungstreffen mit anderen Einrichtungen/Vereinen, die sich mit Flüchtlingen beschäftigen, einem Austauschtreffen mit dem „Förderverein Roma e.V.“ und primär an Beratungsgesprächen und dem Deutschunterricht teilhaben konnte. Das abwechslungsreiche Programm ermöglichte es, dass meinem Interesse an der aktuellen Situation der Flüchtlinge und ihrer Hintergrundgeschichte aber auch den Fragen bezüglich der Minderheit Sinti und Roma vollends nachgegangen wurde.

Natürlich gab es Höhen und Tiefen, oft war ich zu schüchtern und im Nachhinein bereue ich es, dass ich mich nicht offener gegenüber den Flüchtlingen zeigte. Jedoch wurde ich von ihnen immer herzlichst behandelt und in Situationen, wo ich nicht weiter wusste, unterstützten sie mich. Wie beispielsweise als ich von meiner Mentorin ins kalte Wasser geworfen wurde und einem neuen Schüler in der Deutschgruppe erklären sollte, wie man Wörter zu dem Wortfeld „Körper“ schreibt. Ich war überfordert und doch konnte es letztendlich funktionieren, da mir einer der anderen Schüler zur Seite stand. Zu dem Höhepunkt meines Praktikums zählt das gemeinsame public viewing mit Mentorinnen und Flüchtlingen bei dem Spiel Deutschland – Frankreich, wo wir gemeinsam unsere Mannschaft unterstützten.

Abschließend kann ich mich nur bei den Mitgliedern des Vereins „Asylbegleitung Mittelhessen e.V“ bedanken, für die Integration in ihre Mitte, die tolle Unterstützung und die viele Zeit, die sie in mich investiert haben, um mein Praktikum unvergesslich zu machen. Jedoch danke ich vor allem den Flüchtlingen, die mich jedes Mal aufs neue mit ihrer freundlichen und offenen Art überrascht haben. Auch Wochen nach dem Ende meiner Praktikumszeit, als ich zufällig einen der kennengelernten Flüchtlinge wieder traf, begrüßte er mich bei meinem Namen und darüber freute ich mich wirklich sehr, weil es zeigte, dass sie mich nicht vergessen haben. Auch ich werde diese Praktikumszeit so schnell nicht wieder vergessen.

Durch das Praktikum festigte sich auch meine Meinung in Bezug darauf, dass man nicht teilnahmslos weghören sollte, wenn unbegründete Vorurteile die Köpfe anderer beherrschen. Dies möchte ich in Zukunft auch nicht mehr tun, darauf werde ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis achten, da jeder ein Recht auf ein Miteinander in unserer Gesellschaft hat.

 

Erlebnisbericht von Anna L. zu ihrem Praktikum vom 30.06.-11.07.14

 

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